Modul 2 ist durch. Bis hierhin ging es um deine eigene Seite: Keywords, Texte, Struktur, Technik. Alles Dinge, die du selbst in der Hand hast.
Jetzt kommt der Teil, der außerhalb passiert. Andere Websites verlinken dich – oder eben nicht.
Backlinks aufbauen ist das Thema, bei dem SEO am schnellsten unseriös wird. Es gibt einen ganzen Markt, der mit Kennzahlen wirbt, die Google nach eigener Aussage überhaupt nicht verwendet. Deshalb sortieren wir hier zuerst, was ein Link wert ist – und danach, wo du realistisch anfängst.
Kurzantwort
Was sind Backlinks – und wie fängst du mit dem Linkaufbau an?
Backlinks sind Links von fremden Websites auf deine. Google nutzt sie laut eigener Dokumentation als Signal für die Relevanz einer Seite und um neue Seiten überhaupt erst zu finden.
Wertvoll ist ein Link nicht, weil neben ihm eine hohe Kennzahl steht, sondern weil er von einer thematisch passenden Seite kommt, redaktionell gesetzt wurde und dauerhaft bestehen bleibt.
Beim Backlinks aufbauen fängst du dort an, wo du ohnehin Verbindungen hast: Kammern, Verbände, Geschäftspartner, lokale Medien.
📌 Für wen ist das relevant: Für alle, die ihre Onpage-Hausaufgaben gemacht haben und wissen wollen, wie externe Verlinkung funktioniert, ohne dabei in Grauzonen zu rutschen.
- Domain Rating, Domain Authority und Authority Score sind Kennzahlen von SEO-Tool-Anbietern – Google verwendet sie nach eigener Aussage nicht
- Linkprofile verfallen: Von den vor 2020 gewonnenen Links führen laut einer Ahrefs-Auswertung 71,2 Prozent inzwischen ins Leere oder wurden entfernt
- Linkkauf ist laut Googles eigener Spam-Policy ein Verstoß, sobald der gekaufte Link ein Ranking-Signal weitergibt – unabhängig davon, wie hochwertig die gekaufte Seite wirkt
Das lernst du in dieser Lektion
Du verstehst, warum Google Links auswertet – und was einen guten Link von einem wertlosen unterscheidet.
Du kannst dofollow, nofollow, sponsored, ugc, Ankertext und Domain-Autorität sicher einordnen.
Du kennst fünf Linkquellen, die du ohne Budget selbst angehen kannst.
Du erkennst riskante Praktiken und weißt, was Google offiziell dazu sagt.
Inhalt
01 ·
Was sind Backlinks und was macht Google damit
Ein Backlink ist ein Link von einer fremden Website auf deine. Der Gegenpol ist der interne Link, den du in Lektion 2.4 kennengelernt hast: den setzt du selbst, den Backlink setzt jemand anderes.
Genau das ist der Unterschied, der ihn für Google interessant macht. Ein interner Link zeigt, was du selbst für wichtig hältst. Ein externer Link zeigt, dass jemand anderes deine Seite für nennenswert hielt.
Google beschreibt die Funktion in der eigenen Dokumentation knapp: Links dienen als Signal bei der Bestimmung der Relevanz von Seiten und dazu, neue Seiten zum Crawlen zu finden.
Info
Ein Link hat zwei Jobs. Erstens ist er ein Entdeckungsweg: Google folgt ihm und findet so Seiten, die es sonst vielleicht nicht kennen würde.
Zweitens ist er ein Relevanzsignal. Beides sagt Google selbst – und beides erklärt, warum Links seit über zwei Jahrzehnten Thema sind.
Eine technische Bedingung nennt Google ausdrücklich: Crawlen kann Google einen Link nur, wenn er ein <a>-Element mit href-Attribut ist. Reine JavaScript-Navigation oder eigene Routing-Elemente ohne href sind für Google kein Link.
Das klingt nach Entwicklerkram, hat aber eine praktische Folge. Wird dein Unternehmen auf einer modernen Website in einem Widget oder einer aufklappbaren Partnerliste “verlinkt”, kann es sein, dass dieser Link für Google schlicht nicht existiert.
🚩 Prüf das im Zweifel selbst. Rechtsklick auf den Link, “Link-Adresse kopieren” – kommt keine URL heraus, ist es kein Link im Sinne der Suchmaschine.
02 ·
Wie viel ein Link heute noch wiegt
Über kaum ein SEO-Thema wird so gestritten. Die einen verkaufen Links als Königsdisziplin, die anderen erklären sie für tot. Beide berufen sich gern auf dieselben zwei Aussagen aus Googles Search-Relations-Team.
Auf der Pubcon Pro in Austin wurde Gary Illyes 2023 gefragt, ob Links noch zu den drei wichtigsten Rankingfaktoren gehören. Seine Antwort: Er halte sie für wichtig, aber die Leute überschätzten ihre Bedeutung, in den Top drei seien sie seit einiger Zeit nicht mehr. Ergänzend sagte er, es sei möglich, ohne Links zu ranken.
Die zweite Aussage stammt von einer Konferenz in Bulgarien im April 2024. Laut der Mitschrift eines Branchenexperten vor Ort sagte Illyes dort, man brauche sehr wenige Links, um Seiten zu ranken, und Google habe Links über die Jahre unwichtiger gemacht.
Info
Nimm daraus keine Entwarnung mit. Illyes kommentierte die Aussage später selbst mit den Worten, er hätte das nicht sagen sollen – eine Konferenzmitschrift, kein offizielles Google-Statement (Quellenapparat, Eintrag 6).
Wenn dir also jemand “Google bestätigt: Links sind unwichtig” erzählt, streich deine Linkarbeit nicht. Sortier sie nur richtig ein – hinter Inhalt und Onpage.
Was bleibt: Beide Äußerungen deuten in dieselbe Richtung – Links haben an relativer Bedeutung verloren, ohne dass Google einen Ersatzfaktor benannt hätte.
Dazu passt eine Zahl aus einer Ahrefs-Auswertung von 1,1 Milliarden Webseiten: 95,2 Prozent der indexierten Seiten haben keinen einzigen externen Backlink. Nimm daraus nicht mit, dass du keine Links brauchst – viele dieser Seiten haben schlicht keinen Wettbewerb und keinen Traffic. Ob du welche brauchst, entscheidet dein Wettbewerb.
💡 Merke
Links sind ein Signal unter vielen – kein Wundermittel und auch nicht irrelevant. Für wenig umkämpfte Themen rankst du oft ganz ohne.
Je härter der Wettbewerb, desto eher wird externe Verlinkung zum Unterschied. Die Reihenfolge bleibt trotzdem: erst Inhalt und Onpage, dann Links als Verstärker.
Prüf deshalb vor dem ersten Link: Ist deine wichtigste Seite inhaltlich und Onpage fertig (Modul 2)? Wenn nein, ist das dein nächster Schritt – nicht der Link.
03 ·
Guter Link, wertloser Link
“Qualität vor Quantität” steht in jedem Ratgeber. Nur wird selten gesagt, woran man Qualität festmacht.
Fünf Fragen bringen es auf den Punkt. Stell sie dir bei jedem Link, den du bekommst oder angeboten bekommst – das Schaubild sagt dir zu jeder Frage, was du konkret tust.
Fünf Fragen, die den Wert eines Links bestimmen – und was du daraus machst
Nach Google-Dokumentation, Ahrefs-Auswertungen und Branchenkonsens (Stand 08/2026)
Google nennt Links ein Relevanzsignal. Ein Link aus deinem Fachumfeld oder aus deiner Region sagt etwas aus, ein Link von irgendwo nichts.
Höher rankende Seiten gewinnen eher neue verweisende Domains als zusätzliche Links von bekannten Domains (Ahrefs, 10.000 Suchergebnisseiten). Setz deine Zeit also lieber auf die zehnte Website als auf den dritten Link derselben.
Redaktioneller Fließtext gilt als wertvoller als Footer, Sidebar oder Autorenbox. Wirst du gefragt, wo der Link hin soll: in den Text, nicht in eine Partnerliste am Seitenende.
Beschreibend, knapp, relevant für beide Seiten – so formuliert es Google. Keyword-Stuffing im Ankertext nennt Google kontraproduktiv.
Ahrefs wertete 2,3 Milliarden Backlinks über ein Jahrzehnt aus: 71,2 % der vor 2020 gewonnenen Links sind inzwischen tot oder entfernt. Ruf deine wichtigsten Linkquellen jährlich auf und frag nach, wenn ein Link verschwunden ist.
Quellen: Google Search Central (Link Best Practices, Ankertext-Empfehlung) · Ahrefs-Analyse zu 10.000 Suchergebnisseiten · Ahrefs-Längsschnittauswertung zu 2,3 Mrd. Backlinks, Aktualisierung 2026 – Stand 08/2026, eigene Darstellung, Ostend Digital. Belegstatus je Frage im Quellenapparat (Einträge 1, 7, 8, 15).
Schaubild: Fünf Prüffragen für einzelne Backlinks mit der jeweiligen Handlungsregel – eigene Darstellung, Ostend Digital, Stand 08/2026.
Zwei dieser Kriterien werden regelmäßig übersehen. Das erste ist die neue verweisende Domain: Zehn Links von zehn Websites sind etwas anderes als zehn Links von einer.
Das zweite ist die Dauerhaftigkeit. Ein Linkprofil ist kein Konto, auf das man einzahlt – es schrumpft von allein, wenn Seiten verschwinden oder umgebaut werden.
💡 Praxis-Tipp
Stell dir vor jedem Link eine Frage: Würde ein Mensch, der diese Seite liest, über den Link tatsächlich zu dir klicken?
Wenn ja, stimmen Relevanz und Platzierung meistens automatisch. Wenn nein, ist der Link vermutlich auch für Google wertlos – egal, welche Kennzahl daneben steht.
04 ·
dofollow, nofollow, sponsored, ugc, Ankertext
Sobald du dich mit Verlinkung beschäftigst, prasseln diese Begriffe auf dich ein. Sie sind schnell erklärt, wenn man weiß, wozu sie da sind: Sie sagen Google, welche Art von Beziehung hinter einem Link steckt.
Der Normalfall ist der Link ohne jede Kennzeichnung. Die Branche nennt ihn dofollow. Er gibt ein Signal weiter, weil ihn niemand eingeschränkt hat.
Daneben gibt es drei rel-Werte, mit denen eine Website ihre ausgehenden Links qualifizieren kann. Seit 2019 sind sie kombinierbar, etwa als rel="nofollow sponsored".
| Wert | Wofür Google ihn vorsieht | Was das für dich heißt |
|---|---|---|
sponsored |
Links, die Werbung oder bezahlte Platzierungen sind | Gehört an jeden gekauften oder bezahlten Link – auch an den in einem bezahlten Gastbeitrag |
ugc |
Links aus nutzergeneriertem Inhalt, etwa Kommentaren und Forenbeiträgen | Erklärt, warum Links aus Kommentarspalten selten etwas bewegen. Google merkt an, dass es bei etablierten Beitragenden mit der Zeit entfernt werden kann |
nofollow |
Fälle, in denen die anderen Werte nicht passen und man keine Verbindung zur Zielseite herstellen will | Der Auffangwert. Wikipedia etwa setzt ihn konsequent auf alle ausgehenden Links |
Wichtig ist eine Änderung von 2019: Seither sind diese Werte für Google Hinweise, keine Direktiven. Google entscheidet selbst, wie stark es sie berücksichtigt, und kann einem so markierten Link trotzdem folgen. Seit dem 1. März 2020 gilt das nicht nur fürs Ranking, sondern auch fürs Crawlen und Indexieren.
Praktisch ändert das wenig. Googles Doku stellt im selben Atemzug klar, dass so markierten Links im Normalfall nicht gefolgt wird.
Info
Was folgt daraus für dich? Zwei Dinge, die in entgegengesetzte Richtungen zeigen.
Auf deiner eigenen Website ist korrektes Kennzeichnen Pflicht: Bezahltes bekommt sponsored, Kommentarlinks bekommen ugc. Das ist keine Kür, sondern Spam-Vermeidung.
Umgekehrt schützt dich das Attribut nicht davor, dass Google einen Link trotzdem wertet. “Wir setzen ja nofollow” ist kein Freibrief für gekaufte Verlinkung.
Bleibt der Ankertext: der sichtbare, klickbare Text eines Links. Google beschreibt guten Ankertext als beschreibend, angemessen knapp und relevant sowohl für die Seite, auf der er steht, als auch für die verlinkte Seite.
Bei Backlinks hast du darauf meist keinen Einfluss – der andere schreibt, was er will. Wenn du aber gefragt wirst, wie du verlinkt werden möchtest, ist die Antwort nicht dein wichtigstes Geld-Keyword.
Die Begriffe aus deiner Keyword-Recherche gehören in deine eigenen Texte. In fremden Ankertexten wirken sie schnell bestellt statt gewachsen.
💡 Merke
Wirst du gefragt, schlag deinen Firmennamen oder eine natürliche Beschreibung vor. Beispiel: der Name plus die Leistung, statt “Webdesign Stuttgart” in jeder zweiten Fremdquelle.
Ein Linkprofil, in dem zwanzig fremde Websites zufällig denselben optimierten Ankertext gewählt haben, sieht nicht nach Zufall aus. Genau das ist der Punkt.
05 ·
Domain-Autorität: die Zahl, die Google nicht kennt
Wenn du anfängst, dich mit Links zu beschäftigen, begegnen dir sehr schnell drei Abkürzungen: DR (Domain Rating von Ahrefs), DA (Domain Authority von Moz) und AS (Authority Score von Semrush). Meist in Angeboten der Form “10 Backlinks von Seiten mit DR 50+”.
Diese Werte sind Kennzahlen von SEO-Tool-Anbietern. Sie schätzen, wie stark das Backlinkprofil einer Website ist. Sie sind keine Google-Werte und keine Google-Rankingfaktoren.
Das ist keine Ostend-Meinung, das sagen beide Seiten selbst.
Autoritäts-Metriken richtig einordnen
Was Google dazu sagt, was die Anbieter selbst sagen und was Korrelationsauswertungen zeigen (Stand 08/2026)
“We don’t use domain authority, that’s a metric from an SEO company.”
John Mueller, Google. An anderer Stelle ergänzt er, er könne sich nicht erinnern, in 14 Jahren je den DA einer Website nachgeschlagen zu haben. Gary Illyes sagt zu Moz’ DA, Google nutze ihn nicht und er decke sich mit nichts, was Google habe.
Der Anbieter selbst
“DR is not a ranking factor, and it’s not a gate.”
Ahrefs über das eigene Domain Rating – mit dem Zusatz an die eigenen Nutzer: Die Punkte ranken dich nicht, die Links dahinter tun es.
Ahrefs zu DR und SERP-Position
r = 0,131
Ahrefs’ eigene Untersuchung, von Ahrefs selbst beschrieben als kleine positive Korrelation, weit entfernt von eindeutig.
Kritische Analyse zu Moz DA
r = 0,001 / 0,011
Für die Positionen 1 bis 5 beziehungsweise 6 bis 10 – praktisch keine Erklärungskraft. Zitiert in der Fachpresse.
DA 50 und DR 50 bedeuten nicht dasselbe. Die Anbieter nutzen unterschiedliche Backlink-Indizes und unterschiedliche Berechnungslogiken mit je eigener Kalibrierung.
Quellen: John Mueller (Twitter 2019, Reddit 2022) und Gary Illyes, dokumentiert über Search Engine Land und Search Engine Roundtable · Ahrefs, “What Is a Good Domain Rating?” · Search Engine Land, “The case against Moz’s Domain Authority” · Vergleichsartikel zur Skalen-Kalibrierung von DA und DR – Stand 08/2026, eigene Darstellung, Ostend Digital.
Schaubild: Autoritäts-Metriken der Tool-Anbieter im Abgleich mit Googles eigenen Aussagen – eigene Darstellung, Ostend Digital, Stand 08/2026.
Warum ist das so wichtig für eine Einsteiger-Lektion? Weil sich um diese Zahl ein Markt gebildet hat.
Links werden nach DR-Filtern sortiert und verkauft, als wäre die Zahl eine Google-Größe. Sie ist es nicht.
Wertlos sind die Metriken deshalb nicht. Als grobe Sortierhilfe taugen sie: Sie zeigen dir schnell, ob hinter einer Website überhaupt etwas steht oder ob es eine leere Hülle ist.
Was sie nicht sind: ein Kaufkriterium und ein Erfolgsmaßstab. Wer seinen Linkaufbau daran misst, ob eine Anbieter-Zahl um drei Punkte gestiegen ist, misst das Falsche.
💡 Praxis-Tipp
Miss die Anzahl deiner verweisenden Domains, nicht deinen DR. Also: Wie viele unterschiedliche Websites verlinken dich – im letzten Quartal, in diesem Quartal?
Diese Zahl ist nachvollziehbar, du kannst sie beeinflussen, und sie beschreibt tatsächlich, was du getan hast. Eine Anbieter-Punktzahl tut das nicht.
Kostenlos siehst du sie in der Search Console unter “Links” bei den top-verweisenden Websites. Notier den Stand einmal pro Quartal.
06 ·
Backlinks aufbauen: fünf Quellen für den Start
Jetzt zur Praxis. Die folgenden fünf Quellen haben eines gemeinsam: Du brauchst kein Budget, keine Agentur und keine Reichweite dafür. Es sind Verbindungen, die dein Unternehmen bereits hat oder leicht herstellen kann.
| Quelle | Was du konkret tust | Aufwand |
|---|---|---|
| Kammern und Verbände | Prüfen, ob der IHK-, Handwerkskammer-, Verbands- oder Gewerbevereins-Eintrag deine Website verlinkt. Wenn nicht: ergänzen lassen | Sehr gering, Mitgliedschaft besteht meist schon |
| Geschäftspartner | Lieferanten mit Referenz- oder Partnerseiten fragen. Kunden fragen, die eine Case Study oder ein Testimonial veröffentlichen wollen | Gering, die Beziehung besteht bereits |
| Lokale Medien und Portale | Lokalzeitung, Stadtportal oder Lokalblog mit einem echten Anlass ansprechen: Eröffnung, Jubiläum, Auszeichnung, Ausbildungsplätze | Mittel, braucht einen Anlass |
| Wenige gute Verzeichnisse | Branchenspezifische und lokale Verzeichnisse eintragen, die echte Nutzer haben. Keine automatisierten Masseneinträge | Gering, aber nur wenige lohnen sich |
| Eigene Profile | Google Unternehmensprofil, LinkedIn- und Xing-Unternehmensseite, relevante Bewertungsportale – überall die Website hinterlegen | Sehr gering, einmalige Aufgabe |
Zwei Punkte davon brauchen eine Einordnung, weil sie oft falsch dargestellt werden.
Verzeichnisse: weder tot noch Wundermittel
Verzeichnisse werden entweder als Basis-Taktik abgefeiert oder pauschal für erledigt erklärt. Beides ist zu grob.
Seriöse, branchenspezifische oder lokale Verzeichnisse sind sinnvoll: Sie sind thematisch relevant und werden von echten Menschen benutzt. Generische Massen-Verzeichnisse sind es nicht – Links aus minderwertigen Verzeichnis- und Bookmark-Seiten führt Google ausdrücklich als Linkspam.
Wie viele lohnen sich? Rechne mit weniger als 20 relevanten Einträgen, der Rest ist Rauschen. Wähl also wenige und gezielt: branchenspezifisch oder lokal, und von echten Menschen genutzt.
Die Prüfregel dafür: Taucht das Verzeichnis selbst auf Seite 1 auf, wenn du “[deine Branche] [deine Stadt]” googelst? Wenn nein, lass es.
Und eine Klarstellung, weil es fast jeder einmal versucht: Wikipedia ist keine Linkquelle. Wikipedia setzt ausgehende Links konsequent auf nofollow und entfernt Eigenwerbung.
Lokale Quellen sind der unterschätzte Anfang
Für ein Unternehmen mit regionalem Einzugsgebiet sind lokale Links die naheliegendste Startlinie. Lokalpresse, Stadtportale, Wirtschaftsverbände und Vereine sind thematisch und geografisch relevant.
Deutschsprachige Praktikerberichte ordnen lokale Backlinks als starkes Signal ein, weil sie zeigen, dass ein Unternehmen vor Ort tatsächlich vernetzt ist. Wie das mit Google Unternehmensprofil und den übrigen lokalen Bausteinen zusammenspielt, steht in Lektion 3.3 zu Local SEO.
Sponsoring von Vereinen oder Veranstaltungen kann ebenfalls einen Link bringen – wenn das Sponsoring echt ist und die Vereinsseite dich als Partner führt. Sponsorst du bereits etwas, prüf zuerst, ob dieser Link schon steht.
💡 Praxis-Tipp
Fang mit einer Bestandsaufnahme an, nicht mit Akquise. Schreib alle Organisationen auf, mit denen dein Unternehmen bereits zu tun hat: Kammern, Verbände, Lieferanten, Kunden, Vereine, Software-Anbieter.
Ruf jede dieser Websites auf und such nach deinem Firmennamen. Steht er da ohne Link, ist eine kurze Mail die ganze Arbeit.
In der Regel liegen die ersten Links nicht draußen im Internet, sondern im eigenen Adressbuch.
Experten-Tipp aus der Agentur
Wenn dir jemand eine Liste mit Links und einer Kennzahl daneben verkauft, dreh die Frage um. Frag nicht nach der Zahl, sondern: Auf welcher Seite genau steht der Link, in welchem Text, und würde ein Mensch ihn dort anklicken?
Auf diese Frage bekommst du entweder eine konkrete Antwort oder eine ausweichende. Das ist die eigentliche Prüfung.
Unsere Haltung dazu ist unbequem, aber klar: Wir raten von gekauften Links ab. Nicht aus Prinzipienreiterei, sondern weil das Risiko bei dir liegt und nicht beim Verkäufer.
Pascal Cabitza
Geschäftsführer Ostend Digital
💡 Praxis-Tipp
Dein Plan für die ersten Links – ohne Budget, in dieser Reihenfolge:
- Bestandsaufnahme: alle Organisationen aus deinem Umfeld auflisten (Kammern, Verbände, Lieferanten, Kunden, Vereine, Software-Anbieter – siehe Praxis-Tipp oben).
- Firmennamen prüfen: auf jeder dieser Websites nach dir suchen. Steht der Name ohne Link da: kurze Mail mit Anlass, Bitte um Verlinkung und deiner Ziel-URL.
- Eigene Profile vervollständigen: Google Unternehmensprofil, LinkedIn- und Xing-Unternehmensseite, relevante Bewertungsportale – überall die Website hinterlegen.
Danach kommen lokale Medien mit einem echten Anlass, zuletzt wenige gut gewählte Branchenverzeichnisse.
Führ dazu eine einfache Liste: Website, Ansprechpartner, Status, Datum. Sie ist deine Messgröße – verweisende Domains, nicht DR.
Erwartung richtig setzen: Profil- und viele Verzeichnislinks sind meist nofollow. Sie sind Basis und Konsistenzsignal – die eigentlichen Verstärker kommen aus Kammern, Partnern und Medien.
Was hier bewusst fehlt: digitale PR, verlinkungswürdige Inhalte wie eigene Studien oder Tools und systematisches Outreach. Das sind die Methoden für den Punkt, an dem die Quellen aus deinem Umfeld ausgeschöpft sind – und Thema der nächsten Lektion.
07 ·
Wovon du die Finger lässt
Google definiert Linkspam in den eigenen Spam-Richtlinien in einem Satz: die Praxis, Links zu oder von einer Website hauptsächlich zu dem Zweck zu erzeugen, Suchrankings zu manipulieren.
Entscheidend an dieser Definition ist die Absicht, nicht die Methode. Deshalb steht auf Googles Liste der Verstöße auch einiges, was viele für harmlos halten.
| Praktik | Warum das für Einsteiger relevant ist |
|---|---|
| Geld gegen Links oder gegen Beiträge mit Links | Der klassische Linkkauf – unabhängig davon, wie gut die verkaufende Seite aussieht |
| Waren oder Leistungen gegen Links | Auch der Tausch ohne Geldfluss zählt, etwa ein Produkt gegen einen Beitrag mit Link |
| Übermäßiger Linktausch, reine Partnerseiten zum Cross-Linking | “Verlink mich, ich verlink dich” im großen Stil. Ein einzelner sinnvoller Partnerlink ist nicht gemeint |
| Automatisierte Programme oder Dienste zur Linkerzeugung | Hierunter fallen die Massen-Backlink-Pakete von Marktplätzen |
| Advertorials (bezahlte Beiträge in redaktioneller Optik) mit Ranking-Wirkung ohne Kennzeichnung | Bezahlte Beiträge sind erlaubt – aber nur mit sponsored oder nofollow |
| Links aus minderwertigen Verzeichnis- und Bookmark-Seiten | Deshalb sind Massen-Verzeichniseinträge nicht nur wirkungslos, sondern riskant |
| Breit verteilte Links in Footern, Templates oder Widgets | Betrifft etwa “Website erstellt von” über hunderte Kundenseiten hinweg |
| Forenkommentare mit optimierten Links im Beitrag oder in der Signatur | Erklärt, warum diese Taktik trotz Aufwand nichts bringt |
Eine Nuance, damit du nicht überkorrigierst: Bezahlte Werbung ist nicht das Problem. Text-Anzeigen und gesponserte Beiträge sind in Ordnung, solange die Links mit sponsored oder nofollow markiert sind und damit kein Ranking-Signal weitergeben.
Zu den Folgen wird Google ebenfalls deutlich: Wer gegen die Richtlinien verstößt, kann schlechter ranken oder gar nicht mehr in den Ergebnissen auftauchen. Erkannt wird das über automatische Systeme und, wo nötig, über eine manuelle Prüfung. Die kann in einer manuellen Maßnahme enden: einer von Google-Mitarbeitern verhängten Abstrafung, sichtbar in der Search Console.
Der dokumentierte Präzedenzfall
Das ist keine Theorie. Am 18. September 2014 verschickte Google breitflächig manuelle Maßnahmen an Websites, die private Blognetzwerke einsetzten – Netzwerke aus Blogs unter einem Betreiber, die vor allem existieren, um Linkkraft an Zielseiten weiterzugeben.
Ein bekannter Praktiker, der solche Netzwerke betrieb, schrieb danach öffentlich, Google habe gewonnen, er werde nie wieder private Blognetzwerke nutzen. Zu Einzelfällen äußerte sich Google nicht, die Zahl betroffener Websites machte die Aktion aber sichtbar.
Ehrlich bleiben: verboten ist nicht dasselbe wie wirkungslos
Hier lohnt eine Unterscheidung, die viele Ratgeber vermeiden: Verboten heißt nicht wirkungslos.
Gekaufte Links und Blognetzwerke können kurzfristig Wirkung zeigen – sonst gäbe es den Markt dafür nicht. Das Risiko ist nicht die Wirkungslosigkeit, sondern die Entdeckung: eine manuelle Maßnahme oder eine algorithmische Abwertung.
Deshalb solltest du wissen, wie das vermarktet wird. Es gibt Plattformen, die Linkkauf als Branchenstandard darstellen und Googles Regel relativieren, etwa mit der Formel, Google bestrafe nur die plumpen Tricks. Googles Spam-Richtlinien machen diese Unterscheidung nicht.
Kommt es zu einer manuellen Maßnahme, ist der Weg zurück aufwendig: Maßnahme in der Search Console prüfen, Linkprofil durchgehen, betroffene Links entfernen oder für ungültig erklären, dann einen Antrag auf erneute Überprüfung stellen. Das dauert laut übereinstimmenden Praxisberichten Wochen bis Monate, ohne Erfolgsgarantie.
💡 Merke
Die Prüffrage ist nicht “erwischt mich Google?”, sondern: Existiert dieser Link auch ohne SEO-Absicht?
Ein Kammereintrag, eine Referenzseite deines Lieferanten, ein Zeitungsartikel über deine Eröffnung – all das gäbe es auch ohne Suchmaschinen.
Ein Blogbeitrag, den es nur gibt, weil du dafür bezahlt hast, gäbe es nicht. Das ist die Trennlinie, die Google in der eigenen Definition zieht – geh deine Liste aus Abschnitt 6 einmal damit durch.
08 ·
Wenn schlechte Links auf dich zeigen
Ein Muster, das viele Einsteiger beim ersten Blick in ein SEO-Tool erleben: Da tauchen Links von Seiten auf, die man nie gesehen hat, teils aus Ländern und Branchen ohne jeden Bezug. Das Tool färbt sie rot und nennt sie “toxisch”.
Die naheliegende Angst lautet dann: Schadet mir das? Muss ich diese Links loswerden?
Für die allermeisten Websites lautet die Antwort nein. John Mueller von Google hat sich dazu über Jahre zunehmend deutlich geäußert.
Info
Was das Disavow-Tool ist: eine Funktion in der Google Search Console, mit der du Google mitteilst, bestimmte eingehende Links bei der Bewertung deiner Website zu ignorieren.
Mueller ordnete 2019 ein, wann sich das lohnt: klar bei einer bestehenden manuellen Maßnahme, vorbeugend nur dann, wenn ein Linkprofil so eindeutig manipulativ ist, dass eine Maßnahme absehbar wäre.
Für die große Mehrheit der Websites mit der üblichen Mischung, bei denen früher schlechten Ratschlägen gefolgt wurde, sei es schlicht nicht nötig.
Später wurde er noch deutlicher. Sinngemäß: Wer keine Links gekauft habe, solle nicht disavowen. Das Konzept “toxischer Links” sei von SEO-Tools erfunden worden, damit man regelmäßig für sie bezahlt.
Und man bekomme seine Rankings nicht dadurch zurück, dass man dem Bericht eines Tools folgt und die dort markierten Links für ungültig erklärt.
Dass Google das Tool tief in der Search Console versteckt, hat laut Mueller denselben Grund: Für die meisten Websites lohne es sich nicht, sich so stark auf Links zu konzentrieren.
Das Entscheidende für dich als Einsteiger: Ein einzelner spammiger Link, der auf dich zeigt, richtet in aller Regel keinen Schaden an. Googles Systeme ignorieren solche Signale meistens von selbst. Du musst nicht aktiv nach schlechten Links suchen, an deren Entstehung du nicht beteiligt warst – auch das sagt Mueller ausdrücklich.
💡 Merke
Disavow ist ein Reparaturwerkzeug, kein Pflegewerkzeug. Für eine Website, die ihre ersten Links sauber aufbaut, ist es kein Thema.
Relevant wird es in zwei Situationen: bei einer manuellen Maßnahme in der Search Console oder wenn in der Vergangenheit tatsächlich Links gekauft wurden. Alles andere ist Tool-Marketing.
Dein einziger Handgriff: Öffne in der Search Console den Bericht “Manuelle Maßnahmen”. Steht dort “Keine Probleme erkannt”, ist das Thema für dich erledigt.
09 ·
Links und KI-Suche: was sich für deinen Plan ändert
Seit KI-Antworten in der Suche auftauchen, verknüpfen viele Artikel das Thema Backlinks aufbauen direkt mit der Frage, wie man als Quelle zitiert wird. Die kurze Antwort für deinen Plan: nichts. Du musst dafür keine andere Art von Links suchen.
Von Google selbst gibt es dazu vor allem eine Linie. Danny Sullivan, Googles Search Liaison, sagt, die Abkürzungen änderten sich ständig, der Rat aber nicht: für Menschen schreiben, nicht für Ranking-Systeme, egal ob klassische Suche oder LLM-gestützte Formate. Die Optimierung für KI-Antworten sei konzeptionell nichts anderes als die für lokale Ergebnisse oder Sprachsuche.
Konkretes zur Rolle von Backlinks für KI-Antworten hat Google nicht gesagt. Bekannt ist nur, dass die Quellen für KI-Übersichten aus einem breiteren Set stammen als die klassischen Top-10-Ergebnisse. Deshalb decken sich zitierte Quellen oft nicht mit den Top-Rankings – über Links sagt das nichts.
Wenn dir in Artikeln oder Tool-Werbung konkrete Zahlen begegnen, wie stark Backlinks in KI-Antworten zählen, behandle sie als Schätzung von Drittanbietern. Bau deinen Plan nicht deswegen um.
💡 Merke
Wie KI-Suchsysteme ihre Quellen auswählen, ist von außen nicht vollständig nachvollziehbar. Google sagt dazu nur, dass die SEO-Grundprinzipien weiter gelten.
Für dich heißt das: An der Art, wie du Backlinks aufbauen solltest, ändert sich dadurch nichts. Relevante, echte Verlinkung von Seiten, die es auch ohne Suchmaschinen gäbe – das war vorher richtig und ist es weiterhin.
Streich also nichts aus deiner Linkliste wegen KI und nimm nichts Neues auf. Arbeite den Plan aus Abschnitt 6 ab.
10 ·
💡 Recap
Backlinks aufbauen in 30 Sekunden:
- Ein Backlink hat zwei Funktionen: Google findet über ihn neue Seiten und wertet ihn als Relevanzsignal. Beides sagt Google selbst
- Links haben an relativer Bedeutung verloren, irrelevant sind sie nicht: erst Inhalt und Onpage, dann Links als Verstärker – je härter der Wettbewerb, desto wichtiger
- Wertvoll wird ein Link durch fünf Dinge: thematische Relevanz, eine für dich neue verweisende Domain, Platzierung im redaktionellen Inhalt, beschreibender Ankertext und Dauerhaftigkeit
- DR, DA und Authority Score sind Anbieter-Kennzahlen, keine Google-Werte. Als grobe Sortierhilfe brauchbar, als Kaufkriterium oder Erfolgsmaßstab nicht
- Deine ersten Links liegen im eigenen Umfeld: Kammern und Verbände, Geschäftspartner, lokale Medien, wenige gute Verzeichnisse, eigene Profile. Fang mit der Bestandsaufnahme im eigenen Adressbuch an, nicht mit Akquise
- Linkkauf, Massen-Linktausch und private Blognetzwerke sind tabu: Google verhängt dafür manuelle Maßnahmen – 2014 breitflächig geschehen. Deine Prüffrage vor jedem Link: Existiert er auch ohne SEO-Absicht?
- Vor fremden schlechten Links musst du in aller Regel nichts unternehmen. Disavow ist ein Reparaturwerkzeug für manuelle Maßnahmen oder gekaufte Links, kein Teil der laufenden Pflege
11 ·
Selbstcheck: kannst du das beantworten?
Ein Anbieter verkauft dir “10 Backlinks von Websites mit DR 50+”. Was ist daran gleich doppelt problematisch?
Erstens die Kennzahl. Domain Rating ist eine Metrik von Ahrefs, kein Google-Wert. Mueller sagt zu Domain Authority wörtlich, das sei eine Kennzahl einer SEO-Firma, Google nutze sie nicht – und Ahrefs schreibt selbst, DR sei kein Rankingfaktor.
Zweitens das Geschäftsmodell. Geld gegen Links steht wörtlich in Googles Spam-Richtlinien als Verstoß. Das gilt unabhängig davon, wie hochwertig die verkaufende Website wirkt.
Die bessere Frage wäre gewesen: Auf welcher Seite steht der Link, in welchem Text, und würde ihn dort jemand anklicken?
Du bekommst zwei Links angeboten: einen aus dem Footer von 300 Kundenseiten, einen aus einem Artikel des Fachverbands deiner Branche. Welchen nimmst du?
Den Verbandslink. Er ist thematisch relevant, steht im redaktionellen Inhalt und kommt von einer für dich neuen Domain – drei der fünf Qualitätskriterien auf einmal.
Breit verteilte Footer- und Template-Links führt Google dagegen ausdrücklich in den Spam-Richtlinien. Und 300 Links von 300 Seiten desselben Musters ersetzen keine einzige echte verweisende Domain.
Du hast kein Budget und noch keinen einzigen Backlink. Was sind deine ersten drei Schritte?
Erstens: alle Organisationen aufschreiben, mit denen dein Unternehmen bereits zu tun hat – Kammern, Verbände, Lieferanten, Kunden, Vereine.
Zweitens: auf deren Websites nach deinem Firmennamen suchen. Überall, wo er ohne Link steht, ist eine kurze Mail die ganze Arbeit.
Drittens: eigene Profile vervollständigen, also Google Unternehmensprofil und Unternehmensseiten in Business-Netzwerken. Danach kommen lokale Medien mit einem echten Anlass – und erst dann wenige, gut gewählte Branchenverzeichnisse.
Ein Fachportal will dich in einem bezahlten Beitrag verlinken und fragt, wie der Link gesetzt werden soll. Was antwortest du?
Mit rel="sponsored", ersatzweise rel="nofollow". Bezahlte Platzierungen sind erlaubt, aber nur wenn sie kein Ranking-Signal weitergeben. Unmarkierte Advertorials stehen wörtlich in Googles Spam-Richtlinien.
Zum Ankertext: nicht dein wichtigstes Geld-Keyword, sondern der Firmenname oder eine natürliche Beschreibung. Google beschreibt guten Ankertext als beschreibend, angemessen knapp und für beide Seiten relevant.
Und die Einordnung dahinter: Seit 2019 sind nofollow, sponsored und ugc für Google Hinweise, keine Direktiven. Google folgt so markierten Links im Normalfall trotzdem nicht, das Attribut ist aber kein Freibrief zum Linkkauf.
Dein SEO-Tool meldet 40 “toxische” Backlinks von Seiten, die du nicht kennst. Was tust du?
Nichts, sofern du nie Links gekauft hast und keine manuelle Maßnahme in der Search Console steht. Mueller sagt sinngemäß: Wer keine Links gekauft hat, soll nicht disavowen.
Er ordnet das Konzept toxischer Links als Erfindung von SEO-Tools ein und sagt ausdrücklich, man solle nicht gezielt nach schlechten Links suchen, an deren Entstehung man nicht beteiligt war.
Anders sieht es aus, wenn in der Search Console tatsächlich eine manuelle Maßnahme steht. Dann gehören Prüfung, Entfernung beziehungsweise Disavow und ein Antrag auf erneute Überprüfung zusammen.
Quellen und Stand (15 Einträge)
- Google Search Central: “Link Best Practices” / “Make your links crawlable” – “Google uses links as a signal when determining the relevancy of pages and to find new pages to crawl”; Crawlbarkeit nur bei
<a>-Element mithref-Attribut; Ankertext-Empfehlung “descriptive, reasonably concise, and relevant”, Keyword-Stuffing im Ankertext als kontraproduktiv (developers.google.com, abgerufen 15.08.2026) - Google Search Central: “Qualify your outbound links to Google” – Wortlaut zu
sponsored(“advertisements or paid placements”),ugc(Kommentare und Forenbeiträge, ggf. Entfernung bei etablierten Beitragenden) undnofollow(Auffangwert); Hinweis “Links marked with these rel attributes will generally not be followed” (abgerufen 15.08.2026) - Google Search Central Blog, Danny Sullivan & Gary Illyes: “Evolving ‘nofollow’ – new ways to identify the nature of links”, 10.09.2019 – Umstellung von Direktive auf Hinweis, neue Werte
sponsoredundugc, Kombinierbarkeit, Wirkung für Crawling und Indexierung ab 01.03.2020. Volltext nicht abrufbar, Kernaussagen über mehrfach übereinstimmende Fachpresse-Berichte abgesichert (abgerufen 15.08.2026) - Google Search Central: “Spam Policies for Google Web Search” – Definition “Link spam is the practice of creating links to or from a site primarily for the purpose of manipulating search rankings”; Liste der Verstöße (Geld oder Waren gegen Links, übermäßiger Linktausch, automatisierte Linkerzeugung, unmarkierte Advertorials, minderwertige Verzeichnis- und Bookmark-Links, breit verteilte Footer-/Template-/Widget-Links, Forenkommentare mit optimierten Links); Konsequenzen und Erkennung über automatische Systeme sowie manuelle Prüfung (abgerufen 15.08.2026)
- Search Engine Land: “Links are not a top 3 Google Search ranking factor, says Gary Illyes” – O-Ton von der Pubcon Pro Austin, September 2023: “I think they are important, but I think people overestimate the importance of links. I don’t agree it’s in the top three. It hasn’t been for some time.” sowie “it is possible to rank without links”. Mehrfach unabhängig berichtet (abgerufen 15.08.2026)
- Search Engine Journal: “Google Confirms Links Are Not That Important” – Mitschrift von Patrick Stox zur SERPConf 2024 in Bulgarien, April 2024 (“We need very few links to rank pages… Over the years we’ve made links less important”) sowie Illyes’ spätere Reaktion “I shouldn’t have said that”. Einordnung: Konferenz-Mitschrift eines Dritten, kein offizielles Google-Statement (abgerufen 15.08.2026)
- Ahrefs: Analyse zu 10.000 Suchergebnisseiten – höher rankende Seiten gewinnen tendenziell mehr neue verweisende Domains als zusätzliche Links bereits bekannter Domains. Korrelation, kein Kausalnachweis; Anbieter-Studie mit kommerziellem Eigeninteresse (über mehrfach zitierende Zusammenfassungen, abgerufen 15.08.2026)
- Ahrefs: Längsschnittauswertung zu 2,3 Mrd. Backlinks über ein Jahrzehnt, Aktualisierung 2026 – 71,2 Prozent der vor 2020 gewonnenen Links liefern inzwischen einen 404-Fehler oder wurden entfernt. Primärdaten aus Ahrefs’ eigenem Index (über Backlink-Statistik-Zusammenfassung 2026, abgerufen 15.08.2026)
- Ahrefs: Auswertung von 1,1 Mrd. Webseiten – 95,2 Prozent der indexierten Seiten haben keine externen Backlinks. Einordnung: Die Studie trifft keine Aussage über den Rankingerfolg dieser Seiten (über Backlink-Statistik-Zusammenfassung 2026, abgerufen 15.08.2026)
- Ahrefs: “What Is a Good Domain Rating? (With Real Data)” – “Domain Rating (DR) is Ahrefs’ measure of how strong a website’s backlink profile is, on a scale from 0 to 100”, “DR is not a ranking factor, and it’s not a gate”, Hinweis an eigene Nutzer, dass die Punkte nicht ranken, sondern die Links dahinter; eigene Korrelation von 0,131 zwischen Domain Rating und SERP-Positionen, von Ahrefs selbst als klein und weit von eindeutig entfernt beschrieben (ahrefs.com, abgerufen 15.08.2026)
- Search Engine Land: “The case against Moz’s Domain Authority” – John Mueller (“We don’t use domain authority… that’s a metric from an SEO company”, Twitter 2019; Reddit 2022: “you do not need a DA for Google Search… I don’t think I’ve ever looked up the DA for a site in the 14 years I’ve done this”) und Gary Illyes zu Moz DA (“We don’t use it, and it doesn’t align with anything we have at Google”); zitierte kritische Korrelationsanalyse zu Moz Domain Authority mit 0,001 für die Positionen 1 bis 5 und 0,011 für die Positionen 6 bis 10 (abgerufen 15.08.2026)
- Search Engine Land: “Google Targets Sites Using Private Blog Networks With Manual Action Ranking Penalties”, 18.09.2014 – breitflächige manuelle Maßnahmen gegen Betreiber privater Blognetzwerke, öffentliche Reaktion des betroffenen Praktikers Spencer Haws (“Alright Google, you win – I’ll never use private blog networks again”), Google kommentierte keine Einzelfälle (abgerufen 15.08.2026)
- John Mueller zum Disavow-Tool – Webmaster-Hangout Januar 2019, vollständiges Transkript über Search Engine Journal (“Definitely the cases where there is a manual action”; “For the vast majority of sites that have that normal mix of things where you followed bad advice in the past… they really don’t have to do that”; “I wouldn’t go out and specifically search for all bad links if you had nothing to do with their creation”) sowie spätere Aussagen, mehrfach über Search Engine Roundtable und Fachpresse dokumentiert (“if you weren’t buying links, don’t disavow”; “The concept of toxic links is made up by SEO tools so that you pay them regularly”; Platzierung des Tools tief in der Search Console, “because for most sites, you really don’t need to focus on links that much”) (abgerufen 15.08.2026)
- Search Engine Land: “Google’s Danny Sullivan: SEO for AI is still SEO” – “the acronyms keep changing (GEO, AEO, etc.), but the advice doesn’t”, “Write for humans, not for ranking systems, whether those systems are traditional search or LLM-powered experiences”, Einordnung der Quellenauswahl für KI-Übersichten aus einem breiteren Set als den klassischen Top-10-Ergebnissen. Einordnung: keine Google-Aussage speziell zur Rolle von Backlinks in KI-Antworten. Konkrete Zahlen zur Rolle von Backlinks in KI-Antworten (etwa Korrelationsrückgänge von Autoritäts-Metriken) stammen ausschließlich aus Drittanbieter-Analysen, die selbst angeben, dass ihre Methodik weder unabhängig geprüft noch repliziert wurde – deshalb in der Lektion nicht als Zahl verwendet (abgerufen 15.08.2026)
- Deutschsprachige Praktiker- und Agenturquellen zu Linkquellen für kleine Unternehmen (u.a. davidkeiser.de, eazy-media.de, denitro.org, corevaluemarketing.de) sowie Semrush-Blog “Local SEO Backlinks” mit der Einzelangabe, dass typischerweise weniger als 20 Verzeichniseinträge etwas bewegen. Einordnung: Praktiker-Konsens beziehungsweise Einzelquelle mit Anbieter-Interesse, keine unabhängig verifizierten Studien. Gilt ebenso für die Aussagen zu lokalen Links und Vereinssponsoring als Linkquelle sowie für die Regel “Link im redaktionellen Fließtext ist wertvoller als Footer, Sidebar oder Autorenbox” (Schaubild Sektion 3, Frage 3): Praktiker-Erfahrung, keine unabhängige Studie (abgerufen 15.08.2026)
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