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SEO Kurs · Modul 1: Grundlagen · Lektion 4 von 17

24 %

Jede Suche beginnt mit ein paar getippten Wörtern. Was Google daraus macht, ist längst kein Abgleich dieser Wörter mit deinem Text mehr.

Was sind Keywords also heute? Die Wörter sind weiterhin der Einstieg. Entscheidend ist aber, welche Absicht dahintersteckt – und genau die versucht Google seit Jahren zu erkennen.

Diese Lektion schließt Modul 1 ab. Sie erklärt die Grundbegriffe, zeigt dir zwei verschiedene Modelle für Suchintention und räumt mit einer Regel auf, die sich in deutschen Ratgebern hartnäckig hält.

Kurzantwort

Was sind Keywords – und warum zählt die Absicht mehr als das Wort?

Ein Keyword ist ein Begriff oder eine Wortgruppe, mit der jemand bei einer Suchmaschine sucht. Für dich als Optimierer ist es der Begriff, für den deine Seite erscheinen soll.

Google gleicht diese Wörter aber nicht mehr eins zu eins mit deinem Text ab. Die Suchmaschine versucht, die Suchintention dahinter zu verstehen – und liefert Ergebnisse, die zu dieser Absicht passen.

📌 Für wen ist das relevant: Für alle, die entscheiden müssen, welche Begriffe auf ihre Seiten gehören – bevor sie Zeit in Recherche oder Texte stecken.

  • Dieselben Wörter können mehrere Absichten bedeuten – Google entscheidet nach Kontext
  • Kurze Begriffe bringen Volumen, lange Begriffe bringen Klarheit über die Absicht
  • Eine optimale Keyword-Dichte gibt es nicht – Google sagt das seit über 15 Jahren

Das lernst du in dieser Lektion

Du kannst erklären, was ein Keyword ist und warum die Suchintention wichtiger ist als der Wortlaut.

Du unterscheidest die vier Intent-Typen und erkennst sie an konkreten Suchanfragen wieder.

Du kannst Short-Head und Long-Tail einordnen – nach Volumen, Wettbewerb und Klarheit der Absicht.

Du verstehst, warum “Keyword-Dichte” ein überholtes Konzept ist und was stattdessen zählt.

Inhalt

01 ·

Was sind Keywords? Die Definition

Ein Keyword ist ein Begriff oder eine Wortgruppe, die jemand in eine Suchmaschine eintippt, um eine Information, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu finden.

Der zweite Teil der Definition ist der wichtigere: Die Suchmaschine liest dieses Keyword als Ausdruck einer Absicht. Nicht als Zeichenkette, die irgendwo auf deiner Seite wieder auftauchen muss.

Ein Begriffspaar solltest du dabei sauber trennen. Google spricht in den eigenen Dokumenten von queries – Suchanfragen.

Info

Suchanfrage und Keyword sind nicht dasselbe. Die Suchanfrage ist das, was ein Mensch tippt – jedes Mal ein bisschen anders formuliert.

Das Keyword ist die Perspektive von außen: der Begriff, für den du gefunden werden willst. Tausend verschiedene Suchanfragen können auf dasselbe Keyword einzahlen.

Diese Unterscheidung ist der Kern der ganzen Lektion. Wer Keywords für Wörter hält, optimiert Wörter. Wer sie als Absichten liest, optimiert Antworten.

Und Absichten sind nicht stabil. Google weist die eigenen Qualitätsprüfer ausdrücklich darauf hin, dass sich die Bedeutung einer Anfrage über die Zeit verschiebt.

Das Beispiel, das Google selbst nennt: Die Anfrage [iphone] meinte 2007 das erste iPhone. Heute meint sie das aktuelle Modell – obwohl sich am getippten Wort nichts geändert hat.

Mach die Probe an deinem eigenen Geschäft: Nimm einen Begriff, mit dem ein Kunde nach deiner Leistung suchen könnte, und schreib daneben, was er in diesem Moment wirklich will – wissen, kaufen oder hinfahren. Dieses Paar aus Begriff und Absicht ist ab jetzt deine Arbeitseinheit.

02 ·

Warum Google Wörter nicht mehr nur abgleicht

In den frühen Jahren der Suche funktionierte Ranking tatsächlich weitgehend über Textabgleich. Wer die gesuchte Wortfolge oft genug auf der Seite hatte, hatte gute Karten. Diese Zeit ist mit einer Reihe von Updates zu Ende gegangen.

Vom Textabgleich zum Sprachverständnis: die Stationen, die Keywords verändert haben
Update Jahr Was sich änderte
Hummingbird 2013 Erstes großes Semantik-Update: Google beginnt, Bedeutung und Absicht zu bewerten statt nur Text abzugleichen
RankBrain 2015 Maschinelles Lernen ordnet neue oder unklare Anfragen verwandten Bedeutungen zu, über Wortvektoren: rechnerische Muster, die inhaltlich verwandte Begriffe verbinden
BERT 2019 Wörter werden im vollen Satzkontext gelesen – kleine Funktionswörter wie “to” oder “no” bekommen Gewicht
MUM 2021 Verarbeitet Text und Bilder, wird laut Praktiker-Einschätzung aber nur für einzelne Funktionen genutzt, nicht für das generelle Ranking

Zwei Beispiele aus Googles eigener Vorstellung von BERT machen das Prinzip in wenigen Sätzen greifbar.

Beispiel eins. Bei der Anfrage “2019 brazil traveler to usa need a visa” verstand das alte System die Rolle des Wörtchens “to” nicht. Google schreibt dazu: “Previously, our algorithms wouldn’t understand the importance of this connection, and we returned results about U.S. citizens traveling to Brazil.”

Ein einziges zweibuchstabiges Wort drehte die Bedeutung um – und das alte System übersah es.

Beispiel zwei. Bei “do estheticians stand a lot at work” matchte das alte System das Wort “stand” mit “stand-alone”. BERT erkennt laut Google, dass “stand” hier zur körperlichen Belastung eines Berufs gehört.

💡 Merke

Google liest den Satz, nicht die Wortliste. Genau deshalb bringt es nichts mehr, eine Wortfolge künstlich oft zu wiederholen.

Was zählt, ist ob dein Text die Frage beantwortet, die hinter der Anfrage steht.

Dazu kommt das Synonym-Verständnis. Google-Sprecher Danny Sullivan nannte den Ausbau 2018 “a big change in search” – mit der Begründung, dass Menschen anders suchen, als andere Menschen über Lösungen schreiben.

Für dich heißt das ganz praktisch: Wer für “Wanderschuhe kaufen” ranken will, muss nicht zwanghaft genau diese drei Wörter wiederholen. Varianten wie “Trekkingschuhe bestellen” und ein Text, der das Thema wirklich abdeckt, funktionieren genauso gut oder besser.

Öffne jetzt deine wichtigste Seite und lies den ersten Absatz. Steht dort, was du anbietest, in den Worten deiner Kunden – oder in deiner internen Fachsprache? Ergänze die Kundenformulierung, wo sie fehlt.

03 ·

Suchintention: Googles eigene vier Typen

Wenn Google Absichten bewertet, muss es dafür ein Modell haben. Und dieses Modell ist öffentlich einsehbar.

Google beschäftigt Qualitätsprüfer, die Suchergebnisse nach einem festen Handbuch bewerten: den Search Quality Rater Guidelines. Kapitel 12.7 erklärt, wie Nutzerintention einzuordnen ist.

Wichtig: Diese Bewertungen ranken nichts direkt. Sie zeigen aber, wie Google selbst über Suchabsichten denkt.

Googles vier Intent-Typen

Wörtlich nach Search Quality Rater Guidelines, Abschnitt 12.7, Stand 11.09.2025

Know

Etwas wissen wollen

“The intent of a Know query is to find information or explore a topic.”

Beispiel: [barack obama] · Unterform Know Simple bei einer klaren Kurzantwort, z. B. [barack obama height]

Do

Etwas erledigen wollen

“to accomplish a goal or engage in an activity … to download, to buy, to obtain, to be entertained by”

Beispiel: etwas kaufen, herunterladen oder mit einer App interagieren

Website

Eine bestimmte Seite ansteuern

“to locate a specific website or webpage that users have requested”

Beispiel: [ibm.com] – Google nennt die gesuchte Seite das target der Anfrage

Visit-in-Person

Vor Ort hingehen wollen

“finding nearby coffee shops, gas stations, ATMs, restaurants, etc.”

Beispiel: [gas stations], [car repair shop] – der Standort des Nutzers verändert die Bedeutung

📌 Der Kern: Google denkt nicht in Wörtern, sondern in vier Absichten – und eine Anfrage darf mehrere davon gleichzeitig haben.
Zitate wörtlich aus Google “General Guidelines” (Search Quality Rater Guidelines), Abschnitt 12.7, Stand 11.09.2025 – Darstellung und Übersetzung: Ostend Digital.

Schaubild: Die vier Intent-Typen aus Googles Quality Rater Guidelines mit Beispielanfragen – eigene Darstellung, Ostend Digital, Stand 08/2026.

Drei Details aus dem Original lohnen den Blick, weil sie typische Einsteiger-Fehler verhindern.

Erstens: Die Grenzen sind unscharf. Google schreibt zu Know und Do wörtlich: “Don’t worry about strictly differentiating between these two categories.” Wer Keywords zwanghaft in genau eine Schublade zwingt, arbeitet gegen das Modell.

Zweitens: Eine Anfrage kann mehrere Absichten haben. Google nennt [harvard] als Beispiel – dahinter kann die Homepage stecken, eine Wegbeschreibung oder eine Frage zum Bewerbungsprozess.

Drittens: Der Standort verschiebt die Bedeutung. Google führt [verbena] an – in Austin, Texas kann das ein Restaurant meinen, für alle anderen die Pflanze.

💡 Praxis-Tipp

Für lokale Unternehmen ist Visit-in-Person der entscheidende Typ. Er hat in der gängigen SEO-Einteilung kein direktes Gegenstück.

Wenn du Kunden aus deiner Region willst, geh deine Begriffe aus Sektion 01 durch und markiere jeden, hinter dem ein Kunde bei dir vorbeikommen will. Wie du dafür aufgestellt sein musst, steht im Local-SEO-Guide.

04 ·

Was die SEO-Branche daraus gemacht hat

In den meisten SEO-Ratgebern liest du eine andere Einteilung: informational, navigational, transactional und commercial. Diese vier Begriffe sind der Branchenstandard.

Was dabei leicht untergeht: Google verwendet diese vier Wörter in den Quality Rater Guidelines gar nicht. Sie sind eine Vereinfachung, die sich die SEO-Branche selbst gebaut hat.

Das ist kein Vorwurf: Die Branchensprache ist eingängiger und in Tools längst gesetzt. Du solltest nur wissen, dass sie nicht Googles Sprache ist und dass die Übersetzung nicht sauber aufgeht.

Googles Intent-Modell neben der SEO-Branchensprache: Zuordnung und Lücken (eigene Einordnung, kein Google-Zitat)
Google (Quality Rater Guidelines) SEO-Branchensprache Beispiel-Suchanfrage
Know informational “was sind keywords”
Do transactional “wanderschuhe kaufen”
Website navigational “ostend digital blog”
Visit-in-Person 🚩 kein direktes Gegenstück – wird oft mit “lokal” vermischt “seo agentur in der nähe”
🚩 kein eigener Typ – fällt je nach Anfrage unter Know oder Do commercial investigation “beste wanderschuhe test”

Die beiden roten Zeilen sind der eigentliche Erkenntnisgewinn. Die Branche hat eine Kategorie erfunden, die Google so nicht führt – und eine Kategorie verloren, die Google explizit führt.

Praktisch heißt das: Nutze die vier Branchenbegriffe ruhig weiter, aber prüf bei jedem Keyword zusätzlich auf eine Vor-Ort-Absicht. Und frag beim Typ “commercial investigation”, ob der Suchende noch vergleicht oder schon entschieden hat – davon hängt ab, ob du einen Ratgeber oder eine Angebotsseite brauchst.

💡 Praxis-Tipp

So bestimmst du den Intent bei jeder beliebigen Anfrage, in drei Schritten:

  • Erst raten. Welche Absicht vermutest du? Notier sie, bevor du nachsiehst.
  • Dann nachsehen. Tipp die Anfrage bei Google ein und schau, was oben steht: Ratgeber und Erklärtexte deuten auf Know, Shop- und Produktseiten auf Do, eine einzelne Marken-Startseite auf Website, Karte und Einträge mit Adressen auf Visit-in-Person.
  • Auf Mehrdeutigkeit prüfen. Mischt die erste Seite mehrere Formate, hat die Anfrage mehrere Absichten. Dann brauchst du entweder eine Seite, die beides bedient, oder zwei Seiten.

Für den letzten Schritt gibt Google den eigenen Prüfern eine ähnliche Anweisung: mehrere plausible Absichten zulassen und im Zweifel nachrecherchieren.

05 ·

Short-Head und Long-Tail einordnen

Die zweite große Einteilung sortiert Keywords nicht nach Absicht, sondern nach Nachfrage. Wenige Begriffe werden extrem oft gesucht, unfassbar viele Begriffe extrem selten.

Der Begriff Long Tail kommt übrigens gar nicht aus dem SEO. Chris Anderson prägte ihn 2004 bei Wired und 2006 in seinem Buch “The Long Tail” – als wirtschaftliches Konzept über Nachfragekurven. Erst danach wurde er auf Suchanfragen übertragen.

Die Suchnachfrage-Kurve

Wenige Begriffe mit riesigem Volumen, Milliarden mit fast keinem – Zahlen: Ahrefs US-Datenbank, Stand 2024/2025

Short-Head

1-2 Wörter

Riesiges Volumen, härtester Wettbewerb, Absicht oft mehrdeutig.

Nur 17.730 Keywords in der Ahrefs-Datenbank kommen über 100.000 Suchen im Monat.

Der Übergang

Fließende Grenze

Zwischen Kopf und Schwanz gibt es keine feste Trennlinie, sondern ein stetiges Gefälle.

Die Wortanzahl ist nur eine Faustregel, kein Gesetz.

Long-Tail

3+ Wörter

Kaum Volumen je Begriff, dafür klare Absicht – in Summe die große Masse.

Rund 93 % aller Keywords dort haben weniger als 10 Suchen im Monat.

📌 Der Kern: Der Schwanz der Kurve ist nicht wertlos – er ist nur nicht in einem einzelnen Begriff zu holen.

Zahlen aus der Ahrefs-Auswertung der eigenen US-Keyword-Datenbank (2024/2025). Darstellung: Ostend Digital.

Schaubild: Die Suchnachfrage-Kurve von Short-Head bis Long-Tail – eigene Darstellung nach Ahrefs-Daten, Ostend Digital, Stand 08/2026.

Wie groß der Schwanz dieser Kurve tatsächlich ist, zeigt eine Zahl von Google selbst.

Info

15 Prozent der täglichen Suchanfragen hat Google noch nie gesehen. Wörtlich: “15 percent of searches we see every day are new.”

Google bestätigt diese Zahl seit 2013 immer wieder, zuletzt im April 2025. 2007 lag der Anteil noch bei 25 Prozent.

Das ist das eigentliche Long-Tail-Argument. Ein erheblicher Teil dessen, was Menschen suchen, ist so individuell formuliert, dass es in keiner Keyword-Liste steht.

Der Trade-off zwischen kurz und lang lässt sich in wenigen Größen fassen.

Short-Head gegen Long-Tail: Volumen, Wettbewerb und Klarheit der Absicht
Kriterium Short-Head Long-Tail
Suchvolumen je Begriff ✅ Hoch ❌ Niedrig bis null
Wettbewerb 🚩 Sehr hoch ✅ Meist niedriger
Klarheit der Absicht 🚩 Oft mehrdeutig ✅ Meist eindeutig
Nähe zur Entscheidung Unterschiedlich ✅ Tendenziell näher
Realistisch für neue Seiten ❌ Selten ✅ Der übliche Startpunkt

Dass längere Anfragen tendenziell besser konvertieren, also öfter zu Kauf oder Anfrage führen, ist breiter Praktiker-Konsens – wer genauer formuliert, weiß meist genauer, was er will.

Eine Auswertung von NP Digital über 40 Unternehmen aus der bezahlten Suche zeigt die Richtung: 0,17 Prozent Conversion bei einem Wort, rund 1,0 Prozent bei drei Wörtern, rund 1,9 Prozent bei sechs Wörtern. Nimm die Richtung mit, nicht die Nachkommastelle.

💡 Merke

Long-Tail ist kein Trostpreis für kleine Seiten. Es ist die Ebene, auf der die Absicht überhaupt erst erkennbar wird.

“Schuhe” sagt dir nichts. “Wasserdichte Wanderschuhe Damen Größe 39” sagt dir alles.

Schreib deine fünf wichtigsten Begriffe auf und zähl die Wörter. Stehen dort nur Ein- und Zwei-Wort-Begriffe, ergänze zu jedem eine längere Variante – so, wie ein Kunde mit konkretem Bedarf sie tippen würde.

Diese längeren Varianten sind meist die, für die eine neue Seite realistisch ranken kann. Wie du sie systematisch findest, zeigt die Anleitung zur Keyword-Recherche.

06 ·

Keyword Arten aus der Praxis

Neben Intent und Länge gibt es eine dritte Ebene: Einteilungen, mit denen Praktiker ihre Keyword-Listen sortieren. Ordne diese Keyword Arten richtig ein – das sind Arbeitsschubladen aus der Branche, keine Kategorien von Google.

Keyword Arten im Überblick: die gängigen Einteilungen aus der SEO-Praxis
Art Was gemeint ist Wofür du sie brauchst
Brand Enthält deinen Firmen- oder Produktnamen Der Suchende kennt dich schon und ist meist weiter im Kaufprozess
Non-Brand Generischer Begriff für ein Problem oder eine Leistung Erreicht Menschen, die dich noch nicht kennen
Money Nah am Abschluss, wenige, aber wertvolle Anfragen Trägt direkt Umsatz – dafür baust du Angebotsseiten
Traffic Großes Volumen, informationsorientiert Baut Reichweite und Themen-Autorität auf, nicht direkt Umsatz
Seasonal Volumen schwankt planbar übers Jahr Bestimmt, wann Inhalte fertig sein müssen – nicht erst zur Saison
Local Ortsbezug, explizit oder über den Nutzerstandort Der direkte Draht zu Googles Visit-in-Person-Absicht
Zero-Volume Tools melden null Suchvolumen Kann trotzdem Traffic bringen – siehe Warnung unten

Die Aufteilung in Money und Traffic ist die nützlichste davon, weil sie eine Erwartung setzt. Eine Seite auf ein Traffic-Keyword bringt Sichtbarkeit, selten direkte Anfragen. Miss sie also nicht an Anfragen.

Zu Zero-Volume-Keywords gehört ein Dämpfer. Ahrefs hat die eigenen Blog-Rankings mit geschätztem Volumen bis 10 ausgewertet: Weniger als ein Prozent davon kam auf über 100 Impressionen im Monat, also über 100 Einblendungen in den Suchergebnissen, der Durchschnitt lag bei 11,3 Impressionen.

Die Tool-Schätzung liegt also meistens ungefähr richtig. Dazu kommt: Viele Begriffe ohne Volumen sind nur unübliche Formulierungen populärer Themen – und damit genauso schwer zu ranken wie ihr gängiges Pendant.

💡 Praxis-Tipp

In der nächsten Lektion sortierst du deine Liste. Merk dir schon jetzt: nach Money und Traffic, nicht nach Volumen. Das größte Volumen liegt fast immer bei Begriffen, die niemandem etwas verkaufen.

Und leg für jedes Keyword fest, was du erwartest: Anfragen oder Reichweite. Ohne diese Festlegung bewertest du später die falsche Zahl.

07 ·

Der Mythos Keyword-Dichte

Jetzt zu der Regel, die sich am hartnäckigsten hält. Keyword-Dichte meint den Anteil eines Begriffs an der Gesamtzahl der Wörter eines Textes.

Die Idee dahinter: Es gebe einen optimalen Prozentwert, den man treffen müsse. Deutsche Ratgeber nennen dafür bis heute Werte zwischen ungefähr einem halben und fünf Prozent – uneinheitlich und ohne Beleg.

Google widerspricht dem seit über 15 Jahren. Und zwar nicht zwischen den Zeilen, sondern wörtlich.

Info

John Mueller, Google Search Advocate: “There’s no concept of optimal keyword density at Google … keyword density doesn’t matter, but mentioning it explicitly does.”

Matt Cutts, damals Head of Webspam bei Google, 2008: “As long as I’ve been at Google, keyword density has not been a core factor.” Und im selben Jahr knapper: “Keyword Density: Not really a factor.”

2011 legte Cutts nach: Ab einem gewissen Punkt bringe weiteres Wiederholen kaum noch etwas, es gebe abnehmenden Grenznutzen. An anderer Stelle wurde er deutlicher: “I wish people would stop obsessing about keyword density.”

Keyword-Dichte ist damit seit über einem Jahrzehnt laut Google kein Faktor, an dem du drehen solltest. Streich also jede Prozentvorgabe aus deinem Briefing – auch wenn sie in Ratgebern bis heute steht.

Auch aus der Praktiker-Ecke kommt Widerspruch. Rand Fishkin von Moz formulierte es so, dass moderne Suchmaschinen Keyword-Dichte nie verwendet hätten, und verwies stattdessen auf Verfahren, die jedes Wort nach seiner Aussagekraft für das Thema gewichten, statt es zu zählen.

Was Google stattdessen sanktioniert

Interessant wird es beim Blick in Googles Spam-Richtlinien. Dort gibt es sehr wohl einen Tatbestand, der nach Keyword-Dichte klingt: Keyword Stuffing.

Google definiert es wörtlich als “the practice of filling a web page with keywords or numbers in an attempt to manipulate rankings in Google Search results”. Als Beispiele nennt Google unter anderem Telefonnummern-Listen ohne Mehrwert, Textblöcke mit Städte- und Regionsnamen, für die eine Seite ranken will, und das Wiederholen derselben Wörter, bis es unnatürlich klingt.

💡 Merke

In Googles Spam-Richtlinien steht keine einzige Prozentzahl. Kein Grenzwert, keine Formel, keine Obergrenze.

Der Maßstab ist qualitativ: Klingt es unnatürlich? Dient es dem Leser nicht? Dann ist es zu viel – egal bei welchem Prozentwert.

Es gibt also keine Untergrenze, die du erreichen musst, und keine Obergrenze, die du berechnen kannst. Es gibt nur einen Text, der natürlich klingt, oder eben nicht.

Eine Nuance gehört dazu, weil sie oft ins Gegenteil verdreht wird. Mueller weist darauf hin, dass Googles Systeme das Thema einer Seite oft auch dann erkennen, wenn die Keywords gar nicht vorkommen – er empfiehlt trotzdem, deutlich zu sein.

Übersetzt: Verlass dich nicht darauf, dass Google errät, wofür deine Seite stehen soll. Benenne das Thema klar, verwende die passenden Begriffe dort, wo sie inhaltlich hingehören – und hör dann auf zu zählen.

Wie sich das im fertigen Text anfühlt, zeigt der Ratgeber SEO-Text schreiben. Und wo die Grenze zur Manipulation verläuft, ist Thema im Artikel zu SEO-Manipulation.

Experten-Tipp aus der Agentur

Ersetz das Zählen durch eine Frage, die du dir selbst beantworten kannst: Steht auf der Seite unmissverständlich, worum es geht – im Titel, in der ersten Überschrift und im ersten Absatz?

Wenn ja, ist die Arbeit an dieser Stelle erledigt. Wenn nein, hilft dir auch kein Prozentwert.

Und ein zweiter Test, der nichts kostet: Lies den Absatz laut vor. Stolperst du, weil derselbe Begriff sich in wenigen Zeilen mehrfach wiederholt, merkt der Leser das auch – und der Leser entscheidet, ob er bleibt.

PC
Pascal Cabitza
Geschäftsführer Ostend Digital

08 ·

Was sich 2026 verändert

Die Definition eines Keywords hat sich nicht geändert. Was sich ändert, ist die Art, wie Menschen tatsächlich formulieren.

Google hat dazu im Mai 2026 eigene Zahlen zum AI Mode veröffentlicht, seiner KI-Chat-Suche. Die zentrale Aussage: “the average AI Mode search is triple the length of a traditional Search query” – dreimal so lang wie eine klassische Suchanfrage.

Wie sich Suchanfragen 2026 verändern (Google-eigene Angaben, Mai 2026)
Beobachtung Zahl Quelle
Länge einer AI-Mode-Anfrage 3x so lang wie klassische Suche Google, 19.05.2026
Nutzer des AI Mode über 1 Mrd. monatlich aktiv Google, 19.05.2026
Suchen per Sprache oder Bild (USA) mehr als jede sechste Google, 19.05.2026
Durchschnittliche Google-Anfrage (USA) über 3,51 Wörter im Mai 2026 Similarweb-Auswertung

Das wirkt direkt auf deine Keyword-Arbeit. Weil Menschen dieselbe Frage in einem Chat jedes Mal anders formulieren, haben laut Ahrefs über 95 Prozent der konversationellen Long-Tail-Begriffe kein messbares Suchvolumen.

Behandle den “Prompt” deshalb als Trend, nicht als neues Keyword, für das du jetzt schon Seiten baust.

Was sich dagegen sauber sagen lässt: Je länger und individueller die Anfragen werden, desto weniger bringt exakte Wortübereinstimmung. Intent-Verständnis wird dadurch wichtiger, nicht unwichtiger.

Wie du für KI-Suchsysteme sichtbar wirst, ist ein eigenes Feld. Den Einstieg liefert unsere GEO-Strategie.

So geht’s weiter

Damit ist Modul 1 abgeschlossen. Du weißt jetzt, was SEO ist, wie Suchmaschinen zu einem Ergebnis kommen, wann sich SEO gegenüber bezahlter Suche lohnt und was Keywords wirklich sind.

In Modul 2 wird daraus Handwerk. Die nächste Lektion zeigt dir Schritt für Schritt, wie du Keywords findest, bewertest und zu einer Liste ordnest, mit der du arbeiten kannst.

Nimm dir vorher einen Moment: Notiere fünf Suchanfragen, die deine Kunden bei Google eingeben würden. Mit dieser Liste steigst du in Modul 2 ein.

09 ·

💡 Recap

Was sind Keywords – die Antwort in 30 Sekunden:

  • Ein Keyword ist ein Begriff, hinter dem eine Absicht steht. Die Suchanfrage ist, was der Nutzer tippt – das Keyword ist die Perspektive dessen, der optimiert
  • Google gleicht Wörter nicht mehr nur ab. Spätestens seit BERT wird der volle Satzkontext gelesen, kleine Wörter wie “to” verändern die Bedeutung – die passenden Begriffe zu nennen hilft trotzdem
  • Google kennt vier Intent-Typen: Know, Do, Website und Visit-in-Person – so steht es in den Quality Rater Guidelines
  • Die SEO-Begriffe sind eine Branchen-Übersetzung. “Commercial investigation” führt Google nicht als eigenen Typ, dafür fehlt in der Branchensprache ein Pendant zu Visit-in-Person
  • Short-Head bringt Volumen, Long-Tail bringt Klarheit. Rund 93 Prozent der Keywords in Ahrefs’ US-Datenbank haben weniger als 10 Suchen im Monat
  • 15 Prozent der täglichen Suchanfragen sind komplett neu – Googles eigene, seit 2013 bestätigte Zahl. Baue deine Seiten deshalb um Themen und Absichten, nicht um einzelne Wortfolgen
  • Keyword Arten wie Brand, Money oder Local sind Arbeitsschubladen aus der Praxis, keine Google-Kategorien – trotzdem nützlich zum Sortieren
  • Es gibt keine optimale Keyword-Dichte. Google sagt das seit 2008, und in den Spam-Richtlinien steht keine einzige Prozentzahl

10 ·

Selbstcheck: kannst du das beantworten?

Jemand sucht nach “bäckerei”. Welche der vier Google-Intent-Typen können dahinterstecken?

Mindestens zwei, wahrscheinlich drei. Es kann eine Know-Anfrage sein (was macht eine Bäckerei aus, wie wird Brot gebacken), eine Visit-in-Person-Anfrage (eine Bäckerei in der Nähe) oder eine Website-Anfrage, wenn eine bestimmte Kette gemeint ist.

Google beschreibt genau das in den Quality Rater Guidelines: Viele Anfragen haben mehr als eine plausible Absicht. Bei [harvard] nennt Google Homepage, Wegbeschreibung und Bewerbungsprozess in einem Atemzug.

Für dich heißt das: Bei mehrdeutigen Begriffen entscheidet der Blick auf die Suchergebnisse, welche Absicht Google gerade bedient.

Ein Tool zeigt dir 2,1 Prozent Keyword-Dichte an und empfiehlt 3 Prozent. Was tust du?

Nichts an der Dichte. Es gibt keinen optimalen Wert – Google hat das mehrfach offiziell gesagt, zuletzt über John Mueller, erstmals über Matt Cutts bereits 2008.

In Googles Spam-Richtlinien steht zu Keyword Stuffing keine einzige Prozentzahl. Der Maßstab ist, ob der Text unnatürlich klingt oder dem Leser nicht dient.

Prüf stattdessen, ob Titel, Überschrift und erster Absatz unmissverständlich sagen, worum es auf der Seite geht. Das ist die Frage, die Wirkung hat.

Du hast die Wahl zwischen “schuhe” (sehr hohes Volumen) und “wasserdichte wanderschuhe damen” (wenig Volumen). Was spricht wofür?

“Schuhe” bringt theoretisch viel Volumen, aber härtesten Wettbewerb und eine völlig unklare Absicht. Du weißt nicht, ob jemand kaufen, vergleichen oder etwas nachschlagen will.

Der lange Begriff bringt wenig Volumen, aber eine eindeutige Absicht und meist weniger Wettbewerb. Für eine neue oder kleine Seite ist das der realistische Startpunkt.

Die Denkweise dahinter: Ein einzelnes Long-Tail-Keyword trägt selten viel, die Summe vieler solcher Begriffe schon.

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SEO vs. SEA: was wann sinnvoll ist
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Quellen und Stand (10 Einträge)
  1. Google “General Guidelines” (Search Quality Rater Guidelines), Version 11.09.2025, Abschnitt 12.7 “Understanding User Intent”, S. 101-107 – Definitionen zu Know, Know Simple, Do, Website und Visit-in-Person, Beispiele [barack obama], [ibm.com], [gas stations], [harvard], [verbena], Hinweis zur unscharfen Abgrenzung von Know und Do (guidelines.raterhub.com, abgerufen 15.08.2026)
  2. Google “General Guidelines”, Abschnitt 12.6 “Query Meanings Can Change Over Time” – Beispiel [iphone] 2007 gegenüber heute (abgerufen 15.08.2026)
  3. Google Search Blog: “Understanding searches better than ever before” (BERT) – “consider the full context of a word by looking at the words that come before and after it”, Beispiele “2019 brazil traveler to usa need a visa” und “do estheticians stand a lot at work” (blog.google, abgerufen 15.08.2026) [Google-offiziell; die Timeline zu Hummingbird 2013, RankBrain 2015 und MUM 2021 in Sektion 02 stammt dagegen aus der SEO-Fachpresse, nicht aus Google-Originaltexten – MUM-Einordnung nach Praktiker-Einschätzung]
  4. Google Search Central: “Spam policies for Google web search” – Definition von Keyword Stuffing, Beispielliste, keinerlei Prozentangabe (developers.google.com, abgerufen 15.08.2026)
  5. John Mueller (Google Search Advocate), SEO Office Hours: “There’s no concept of optimal keyword density at Google … keyword density doesn’t matter, but mentioning it explicitly does” – dokumentiert über Search Engine Roundtable (abgerufen 15.08.2026)
  6. Matt Cutts (damals Head of Webspam, Google), Aussagen 2008 und 2011 zu Keyword-Dichte: “Keyword Density: Not really a factor”, “As long as I’ve been at Google, keyword density has not been a core factor”, Hinweis auf abnehmenden Grenznutzen sowie “I wish people would stop obsessing about keyword density” (über Sekundärquellen dokumentiert, abgerufen 15.08.2026) · Rand Fishkin / Moz zur Term-Gewichtung statt Keyword-Dichte
  7. Google, mehrfach bestätigte Aussage seit 2013, zuletzt April 2025: “15 percent of searches we see every day are new” – 2007 lag der Wert bei 25 Prozent (Berichterstattung Search Engine Land, abgerufen 15.08.2026)
  8. Ahrefs: “Long-tail Keywords: What They Are and How to Get Search Traffic From Them” – 93 Prozent der Keywords der US-Datenbank unter 10 monatlichen Suchen, 17.730 Keywords über 100.000 Suchen, über 95 Prozent der konversationellen Long-Tail-Begriffe ohne messbares Volumen (ahrefs.com, abgerufen 15.08.2026) · Ahrefs: “Should You Target Zero-Volume Keywords? It Depends” – eigener Test, unter 1 Prozent über 100 Impressionen, Durchschnitt 11,3 Impressionen. Ahrefs ist Toolanbieter mit Interesse am Long-Tail-Befund, Datenbasis benannt und Größenordnung nachvollziehbar · Die verbreitete Aussage “70 Prozent aller Suchanfragen sind Long-Tail” hat keinen belegbaren Ursprung (in Dutzenden Blogs wortgleich, ohne Studiendatum, Methodik oder Stichprobe) und wird in dieser Lektion deshalb nicht verwendet
  9. Google Search Blog: “How people are using AI Mode in the U.S.”, Shivani Mohan (VP Data Science and UXR for Google Search), 19.05.2026 – “the average AI Mode search is triple the length of a traditional Search query”, über 1 Mrd. monatlich aktive Nutzer, Verdopplung der Anfragen je Quartal, mehr als jede sechste US-Suche per Sprache oder Bild · Similarweb-Auswertung zur durchschnittlichen Anfragelänge über 3,51 Wörter im Mai 2026 (Fachpresse, unabhängige Messung) · Zur Diskussion “Prompt als neues Keyword”: keine belastbaren Studien, viele Artikel bewerben eigene Tools – in dieser Lektion nur als Trend eingeordnet
  10. Chris Anderson: “The Long Tail” – Wired-Artikel Oktober 2004, Buch bei Hyperion 2006, ursprünglich ein wirtschaftliches Nachfragekonzept · NP Digital / Neil Patel, Auswertung von 40 Unternehmen (Paid Search): Conversion-Rate nach Wortanzahl von 0,17 Prozent (1 Wort) bis rund 1,9 Prozent (6 Wörter) – Paid-Search-Daten, nicht eins zu eins auf SEO übertragbar · Danny Sullivan (Google Search Liaison) 2018 zum Synonym-Verständnis: “a big change in search”

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